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Rhein-Neckar-Zeitung vom 28./29. Januar 2012

Geschrieben am 29. Januar 2012

Ravel, Debussy und Leonard Bernstein: Akademische Philharmonie unter Jesko Sirvend in der Heidelberger Stadthalle

Impressionistische Glanzstücke

Von Klaus Roß

Gershwins „Cuban Overture“, Bernsteins „Divertimento“, Debussys „La Mer“, dazu Ravels „La Valse“ und „Daphnis et Chloé“: Attraktiver kann ein ausschließlich im 20. Jahrhundert angesiedeltes Orchesterprogramm wohl kaum aussehen. Diese erlesene Auswahl von Klassikern der Moderne präsentierte die Akademische Philharmonie Heidelberg bei ihrem Semesterkonzert in der ausverkauften Stadthalle.

Der französisch-amerikanische Leckerbissen-Cocktail belegte eindrucksvoll, welch bemerkenswert hohes Leistungsniveau das 2006 gegründete Orchester und sein junger Dirigent Jesko Sirvend (Jahrgang 1986) in den gerade einmal zwei Jahren ihrer Zusammenarbeit bereits erreicht haben. Wie gut die Akademische Philharmonie derzeit besetzt ist, unterstrich neben der sehr zuverlässigen Streichergruppe vor allem die an diesem Abend besonders stark geforderte Bläserfraktion: Ihre Soli sorgten immer wieder für Glanzlichter. Und in Sachen Spielfreude scheint Jesko Sirvend – demnächst unter anderem Gast beim Berner Symphonieorchester – ohnehin genau der richtige Anreger.

Als idealer Muntermacher erwies sich Gershwins von Rumba-Rhythmen geprägte „Cuban Overture“ (1932), die an charakteristischem Drive und knackigem Sound nichts zu wünschen übrig ließ. In Ravels „La Valse“ überzeugten Sirvend und sein Ensemble durch sicheren Spannungsaufbau ebenso wie durch lustvolle Steigerungsdynamik; Resultat war eine atmosphärisch dichte, den Wahnwitz des Werkes trefflich vermittelnde Wiedergabe. Leonard Bernsteins rund viertelstündiges „Divertimento“ in acht Sätzen (komponiert 1980) entzückte als brillant instrumentiertes Kaleidoskop tänzerischer, komödiantischer und melancholischer Kabinettstückchen. Das besondere Vergnügen des Orchesters an der entdeckenswerten Rarität war unüberhörbar.

Mit Debussys „La Mer“ und Ravels „Daphnis et Chloé“ (2.Suite) standen nach der Pause zwei der virtuosesten Werke ihrer Art auf dem Programm, die naturgemäß jedes noch so versierte Amateurorchester an gewisse Grenzen führen. Be- rücksichtigt man den gewaltigen technischen wie interpretatorischen Anspruch beider Partituren, so verdienten die Akademische Philharmonie Heidelberg und ihr selbstbewusster junger Dirigent an diesem Abend fraglos alle Bewunderung und Begeisterung. Dass in manchen Details vor allem der leiseren Abschnitte noch mehr Eleganz und Delikatesse vorstellbar gewesen wäre, änderte nichts am bravourös suggestiven Gesamteindruck beider Aufführungen. Schon in „La Mer“ erstaunte die transparente Beweglichkeit, mit der Sirvend und sein 90-köpfiges Ensemble Debussys komplex aufgefächerte Naturstimmungen zum Leben erweckten. Noch klangprächtiger gelang die zweite „Daphnis et Chloé“-Suite mit einem satt aufblühenden „Lever du jour“, einem flötistisch gekrönten „Pantomime“-Intermezzo und einem herrlich entfesselten „Danse générale“-Finale.

Dass nach enthusiastischem Beifall die „Annen-Polka“ als Zugabe erklang, hätte wohl auch den erklärten Strauß-Liebhaber Ravel besonders gefreut.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 18. Juni 2011

Geschrieben am 23. Juni 2011

Riesenknaller zum Auftakt der Universitäts-Festwoche

Spektakuläres Feuerwerk und Klassik-Konzert auf dem Uni-Platz

Welch ein grandioser Auftakt zur Festwoche der Universität (25. Juni bis 2. Juli)! Zwar feiert die Ruperto Carola ihren 625. Geburtstag schon seit Oktober mit einer Reihe von herausragenden Veranstaltungen, Aktionen und Veröffentlichungen, aber spätestens seit Donnerstagabend muss allen Heidelbergern klar sein: Hier passiert gerade etwas ganz Besonderes.
Der Abend begann mit einem öffentlichen Konzert der Akademischen Philharmonie (Orchester der Studenten und Uniangehörigen) unter der Leitung von Jesko Sirvend auf dem Universitätsplatz und endete mit einem Feuerwerk, das die Stadt in dieser Üppigkeit noch nie gesehen hat. Stifter des fantasievollen Spektakels war übrigens Hans-Peter Wild, Ehrensenator der Ruperto Carola, der just an diesem Tag seinen 70. Geburtstag feierte. Es war Prof. Jochen Tröger, der Rektoratsbeauftragte für das Jubiläum, der vor der großen Gästeschar daran erinnerte, dass die Universität eine „engere Anbindung“ an die Heidelberger erreichen möchte.
An diesem Abend gelang auf alle Fälle der Schulterschluss. Dicht gedrängt saßen und standen Alte und Junge zwischen Alter und Neuer Uni, hörten die Musik, tranken, aßen, unterhielten sich. So locker und entspannt gab es Klassik noch nie zu erleben – und das ohne Eintritt. Und dann der Feuerzauber von der Alten Brücke aus – einfach gigantisch. Applaus und Bravo-Rufe von allen Seiten. So kann die Geburtstagsfeier weitergehen.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 8. Juli 2010

Geschrieben am 8. Juli 2010

Als wär’ die Welt verloren

Bruckner, Symphonie Nr. 4
…Gerade das Finale besaß bei der Aufführung in der Stadthalle etwas Apokalyptisches [...] Ein sanftes Vibrieren verwandelte sich in ein kraftvolles Rauschen und Stürmen. Jeder Ton war eine Kostbarkeit…

Schostakowitsch, Violinkonzert Nr. 1
…Gemeinsam verwandelten Solistin und Orchester das Scherzo in ein Fugato, perfekt von Sirvend zusammengehalten, aber rastlos und atemberaubend im Ausdruck…

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